Schwelgen im Gestern


1. – 23. Dezember | Monat in Stichworten

Nach fast zwei Jahren Schreiben hier eine gewisse Unlust, weiter daran festzuhalten. Auch, klar, Erschöpfung. Ich notiere weiter, jeden Tag zumindest ein Stichpunkt. Sage mir: Morgen formuliere ich das aus. Und wenn morgen dann kommt, notiere ich nur einen Stichpunkt für den aktuellen Tag. Und sag mir: Morgen formuliere ich beides aus. So kommen drei Wochen zusammen und Weihnachten wird und nichts ist ausformuliert und der Monat existiert allein in Stichpunkten. Jetzt ist Januar und jetzt natürlich zwecklos, irgendwie im Nachgang etwas formulieren zu wollen, das den Moment einfangen soll. Aber wenigstens die Stichpunkte (mit gelegentlichen Anmerkungen) in chronologischer Reihenfolge.

Eichwald, Gießen, völkisches ABC. Satire? TITANIC?

Online-Pranger für Journalisten in USA

Rentendiskussion, Rentenrebellen?

in Weimar zu mehreren Panels über Ostdeutschland gewesen, Emotionen schlagen hoch, noch so viel Gesprächsbedarf. Chemnitz vs Baden-Baden

Demonstration gegen die Wehrpflicht

Über was schreiben? Kanzlermehrheit? Russische Drohnenangriffe? Peinliche FIFA-Show, lächerlicher »Friedenspreis«, komplett erbärmlich, deshalb irgendwie komplett Irrsinn und Scheinheiligkeit einfangend?

Verbrennerausaus

Europas USA-Strategie, Palantir

Über was schreiben: Social-Media-Bann in Australien. Oder Umweltbericht, weil Pfad zielsicher zu auf 3°?

MAGA verbietet Calibri als zu woke (WAS?)

ESC – Israel

Über was schreiben? Bürgergeldempfänger-Beschimpfung? Oder Öltanker Venezuela?

Was schreiben zum Kanzler-Zitat: »Wir hören in unserem Land jetzt endgültig auf, überall auszusteigen. Wir steigen jetzt wieder ein. (…) Die Zeiten von Atomausstieg, Verbrenner aus Verteufelung der Biotechnologie – diese ganze Ideologie die liegt hinter uns.«

Attentat in Bondi Beach. Ahmed al Ahmed, der gerettet hat, wird mit KI in Echtzeit umgeschrieben zu »Edward Crabtree«.

Rob Reiner ermordet. Was zu Trump-Zitat: »Due to the anger he caused others through his massive, unyielding, and incurable affliction with a mind-crippling disease known as TRUMP DERANGEMENT SYNDROME.«

Epstein

Fleischhauer-Sendung im ZDF. Kann es sein, dass Fleischerhauer sich nicht vorbereitet hat und immer, wenn ein Argument kommt, er den Platz im kleinen Studio wechselt? Sieht so der Vibe-Shift im ÖRR aus?

Ostdeutsche Allgemeine als Organ für uns Ostdeutsche, in Fraktur-Schrift (natürlich)

die Vanity-Fair-Fotos von den Trump-Leuten, Details in Großaufnahme, Einspritzlöcher in Lippen

Bürgergeld (wieder!)

Epstein, Trump-Kennedy-Center

Einreiseverbote für Hate Aid

24. Dezember | Weihnachten

Geht das? Weihnachten ohne Weltnachrichten?

26. Dezember | Reichsadler auf dem Eis

Eislaufen in der Heimat, eine sächsische Kleinstadt. Nachweihnachtslauf, überraschend gute Musik, die Eisbahn voll. Ein junger Mann trägt auf seinem Pullover den Reichsadler, darunter steht Deutschland, das Hakenkreuz fehlt nur gerade so. Der Mann steht wacklig auf den Beinen, rutscht immer aus, rappelt sich ab, gleitet stockend weiter, der kleine Nazi übt beharrlich.

27. Dezember | Das Quiz 2025

Feiertagsbedingt Das Quiz 2025 geschaut. Samstag-Abend-Show mit Prominenten wie Günter Jauch und Florian Silbereisen, in der das Jahr 2025 anhand von Ratespielen aufgearbeitet wird. Und klar, Samstagabend nach drei Feiertagen in der besinnlichen Zeit möchte niemand einer Drei-Stunden-Hardcore-Echtzeitdystopie-Analyse beiwohnen.

Aber: Im ersten Segment gleich Trump mit lustiger Slapstick-Musik unterlegt, dazu ein Stefan-Raab-Kommentator-Kommentar. Außer dem Pferd, das beim Englandbesuch vor Trumps Augen schiss, findet zum Thema Trump nichts weiter statt. So ist Elon Musk im Quiz dann folgerichtig nicht DOGE oder Hitlergruß, sondern sein Sohn X, der im Beisein des Präsidenten popelte. Autokratismus als jemand, der auf einer Bananenschale ausrutscht.

Später bei den Spielen; einmal eine Raterunde wie »Wer bin ich?«. Ein Spiel mit Pippi Langstrumpf. Ein Jubiläumsraten mit Musik von Katja Ebstein und Lou Bega. Im Jahresrückblick 2025 kommen die dreißig, fünfzig Jahre davor viel präsenter vor als das Heute. Ein Schwelgen im Gestern. Fürs Heute wird alles ausgeblendet, was nur irgendwie andeuten könnte: Da rutscht viel mehr als jemand auf einer Banane aus.

28. Dezember | dazu einen Text gelesen

Dazu einen Text gelesen, ein Interview mit Juli Zeh über ihr Brandenburger Dorf, in dem jede/e zweite AfD wählt. Zeh mit dem aus Über Menschen schon bekannten Verständnis für den rechten Rand. »Anders, als immer mal wieder berichtet wird, ist der durchschnittliche AfD-Wähler glücklicherweise ja kein Rechtsradikaler … Die Leute, die AfD wählen, die wollen ja zum Teil sogar mehr Demokratie …Dass Menschen, die so etwas erleben, AfD wählen, wundert mich nicht. « sagt sie, etc.

Dazu einen Text gelesen von einem Journalisten, der 2025 über Bitterfeld-Wolfen und die geduldete Übernahme durch Rechtsextreme schrieb. In der Stadt harsche Reaktionen – nicht auf die Übernahme, sondern auf den Text.

Dazu einen Text gelesen, wie die AfD das Klima im Bundestag verändert hat, »Mittlerweile, so scheint es, müssen die Rechtsextremen gar nicht mehr viel tun, um Angst zu verbreiten. Es reicht, dass die anderen ihnen alles zutrauen.«

Alle drei Texte hintereinander gelesen bilden ganz angemessen dieses Jahr 2025 ab, den gelebten Vibe Shift.

29. Dezember | produktives Telefonat

Donald Trump führt ein »produktives Telefonat« mit Putin und sagt anschließend nach dem Treffen mit Selenzky: »Russia wants to see Ukraine succeed. It sounds a little strange but President Putin was very generous in his feeling toward Ukraine succeeding, including supplying energy, electricity and other things at very low prices.«

31. Dezember | Silvester

Ist es so schlimm gekommen, hätte es schlimmer sein können?