Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen 


1. Februar | im Schnee

Spaziergang in Weimar, durch den Park, die Wiesen weiß, über die Wege spannen sich Eisbahnen, der Teich gefroren, Fluggänse auf den zackigen Schollen. Weiter hinten, in der Kurve bei den Bäumen, im Schnee ein akkurates Hakenkreuz gezeichnet, ein Meter vielleicht im Durchmesser, in feinen Strichen gemalt. Es zertreten, wenigstens.

2. Februar | Melania

Überall Texte über Melania, die Jeff-Bezos-Schmiergeldzahlung. Alle Texte sagen, wie nichtssagend der Film doch sei, und wie im Kino keine Zuschauer, sondern nur Journalisten gewesen seien, die von den Redaktionen losgeschickt worden seien, um den Film zu besprechen, weil Melania ein Dokument der Zeitgeschichte sei, das später mal für diese Epoche stehen werde, aber so offensichtlich schlecht, a gilded trash remake of Jonathan Glazer’s The Zone of Interest in which a button-eyed Cinderella points at gold baubles and designer dresses, cunningly distracting us while her husband and his cronies prepare to dismantle the Constitution and asset-strip the federal government. So viele Texte über Melania, dass dann doch das Bedürfnis wächst, Melania zu sehen?

3. Februar | Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen

Seit Tagen schwebt der nächste asoziale Testballon aus »unionsnahen Kreisen« im Diskurs. Diesmal: die »Agenda für Arbeitnehmer«. Was meint: Sozialleistungen, die dem Arbeitgeber erlassen werden. Zu Lasten des Arbeitnehmers. Prägnanter Punkt: Zahnarzt. Zähne im Maul muss man sich eben leisten können sollen.

Nach Teilzeit-Lifestyle, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Arbeitszeitgesetz etc. die nächste neokonservative Bürgerbeschimpfung, ein permanentes Unterstellen, ein großer Teil der Menschen wäre faul, arbeitsscheu, würde betrügen und schmarotzen etc. Alles Unglück beginnt schon beim Namen. Der, der seine Arbeitskraft gibt, wird Nehmer genannt. Der, der von anderen Arbeit annimmt, ist der Geber. Klassenkampf von oben.