kein Zaudern der Dystopie


1. Januar | etwas passiert

Das Jahr beginnt mit einer Meldung über einen furchtbaren Brand in einem Schweizer Klub, vierzig Menschen sterben. Wieder ist etwas ist passiert, das fern ist, mich aber berührt. Hier in den Einträgen oft auch etwas, das etwas geschehen lassen wird. Folgen werden erwachsen. Eine Wahl, eine Ankündigungen, ohne, dass schon etwas geschehen ist. Wenig Annahmen, dass sich 2026 großartig darin unterscheiden wird von den vorherigen Jahren. Ein Pfad ist eingeschlagen, wie tief die Gablungen uns führen, darauf zu schauen, die Landtagwahlen. Irgendwo las ich: Vor uns der letzte Sommer in Frieden. Warum schreibe ich das? Frieden für wen?

2. Januar | Schuld

Grok, eine KI, die Deepfakes von Frauen und Kindern erstellt, was von den Machern als Meinungsfreiheit verstanden wird. In den News steht, dass Grok sich entschuldigt, die KI entschuldigt sich, die KI ist schuld, das LLM. Zu verstehen, dass die KI an nichts Schuld trägt, zu verstehen, wer an der KI Schuld trägt, wird eine der Hauptaufgaben des neuen Jahres sein.

3. Januar | kein Zaudern der Dystopie

Erster Schneetag draußen. Im Park lauter apfelwangenrote Gesichter, beim Rodeln und Rutschen und Schlittern, Glück. Und doch: Die USA greifen Venezuela an, Bomben auf Caracas, der Präsident entführt, ein Trophy-Foto in den Kanälen, der amerikanische Präsident brüstet sich, erklärt, es wegen des Öls getan zu haben. Krieg, eine militärische Operation, was als nächstes? Kuba, Kolumbien, Grönland? Im neuen Jahr nicht mal kurz das Zaudern der Dystopie.

4. Januar | 3 Striche

Nachwirken des gestrigen Coups. Bilder vom »Warroom«, ein mit schwarzen Vorhängen abgehängter Raum im Mar-a-Lago, im Hintergrund auf Riesen-Displays der X-Feed mit Smiley. Die Frau von Stephen Miller, die ein Bild von Grönland mit amerikanischer Flagge postet und dazu schreibt: »Soon«. Und so ist das, fühlt sich an wie ein weiterer Knickpunkt, ein Rutschen, eine fortschreitende Destablisierung des eh schon Instabilen. Jemand postet ein Bild der Weltkarte, hat darin die Welt mit zwei Strichen aufgeteilt für 3 Großmächte: Der amerikanische Kontinent (plus Grönland) für die USA. Nordasien, Nordafrika und Europa für Russland, der Rest für China. 3 Machtblöcke wie in 1984, so fühlt sich das an, als würde gerade alles darauf zueilen.

5. Januar | Venezuela

Weiterhin Venezuela. Die Geschichte, dass Trump die Friedensnobelpreisträgerin nicht zur Präsidentin machen möchte, weil sie den Friedensnobelpreis an seiner statt bekommen hat. Überhaupt: Wer macht wen zum Präsidenten? Die softe Zustimmung vieler Europäer, mit denen sie den Völkerrechtsbruch abnicken, allen voran Kanzler und Außenminister, Situation sei komplex, man müsse sich mit vorschneller Verurteilung zurückhalten etc. Im Fokus jetzt Grönland. Was wäre denn, wenn ein paar hundert amerikanische Soldaten Grönland besetzen? Was würde man tun können? Könnte man etwas tun? Denn darum geht es ja, neben dem Öl: etwas tun, ohne dass andere etwas dagegen tun können.

6. Januar | Strom aus

Vierter Tag des Stromausfalls in Berlin, Zehntausende dort ohne Energie nach einem Brandangriff auf Stromnetz. Ein Bekennerschreiber der Vulkangruppe, links, extrem. Seit vier Tagen auch die Jagd gegen die Täter. Das Schreiben im holprigen Deutsch verfasst, viele Fehler, auch untypische Wörter, was Vermutungen gedeihen lässt, das Bekennerschreiben könnte, wie beim Brand des Jagdschloss der Familie Thurn und Taxis von vor einigen Monaten, eine Fälschung sein. Vielleicht, so Mutmaßungen, Russland als Urheber, auch mit Verweis auf die Sabotageserie in Berlin mit verstopften Auspuffrohren und Habeck-Aufklebern, die von Russland initiiert wurde. Die Behörden und Medien und Politik sind sich aber sicher: linksextrem. Was ohne Umstände so sein kann. Oder auch nicht. Jedenfalls ist der Anschlag im Bewusstsein aller links. Und alle Zweifel nähren das Chaos. Was letztlich ein weiteres Signum dieser Zeit ist. Was geschieht, macht das Chaos größer. Auch ein Zeichen der Zeit: Die Jagd wichtiger als das Helfen. Die politischen Notfallpläne für solche Übergriffe offenbar lückenhaft, Franziska Griffey bietet aber an, dass Hotelzimmer für 70€ die Nacht gemietet werden können.

7. Januar | Strom an

Strom in Berlin wieder da. Der Bürgermeister ging währenddessen Tennisspielen. Die Täter der Vulkangruppe fügen ihrem Bekennerschreiben eine Ergänzung bei, in der sie betonen, dass der Anschlag nicht den Armen gegolten habe. Die »originale« Vulkangruppe gibt wiederum ein Schreiben raus, in dem sie erklären, nichts mit dem Anschlag zu tun zu haben. Die USA kapern einen russischen Öltanker, dänische und europäische Soldaten bereiten sich auf den Angriff der USA auf Grönland vor.

8. Januar | Minneapolis

ICE erschießt in Minneapolis eine Frau. Renee Nicole Good. Auf den Videos zu sehen, wie sie mit dem Auto dem ICE-Täter ausweicht und der ICE-Täter mehrmals schießt. Ein Widersprechen dieser KI-losen Wirklichkeit auf allen MAGA-Kanälen. Der Vizepräsident verspricht dem Täter Immunität. ICEs treten Gedenkkerzen weg. Auf X erstellen User mit Grok sexualisierte Deepfakes der toten Renee Nicole Good. Darauf sind die letzten zwölf Monate zugelaufen: ICE als Militärpolizei der Regierung, die keinem Gesetz unterliegt, die Gegnerinnen töten kann, gedeckt und verteidigt von dieser Regierung. Gewalt. Eskalation. Der nächste Schritt?

9. Januar | Chaos

Im Grunde genommen geht es um Chaos. Instabilität hervorzurufen und damit das Vertrauen zu löschen, denken zu lassen, niemand könne etwas bewirken, alles sinnlos, sinnlos, irgend etwas zu tun, gerade gemeinsam, um damit das Feld zu bestellen für jene, die so für sich allein stark agieren können. Venezuela, Ukraine, Stromausfall, der Mord von Minneapolis.

Ich merke, wie das wirkt. Ich verliere das Zutrauen, die Annahme, Institutionen könnten das Richtige tun. Glaube nicht, dass die Behörden ernsthaft den Stromverbrechern nachgehen. Den Medien, dass sie das Wesentliche thematisieren. Dass Europa geeignet ist, sich dem Sturm zu widersetzen. Fatal, dieses Chaos.

Instabil.

10. Januar | Mehr Zeit als wir alle

Einer der wunden Punkte die Fixierung auf eine Person. An einer Person eine Zeit und ihren Umbruch festzumachen. Immerzu der Name dieser Person, Kopfschütteln, Lachen, oft verzweifelt, oft ungläubig, fassungslos, ein lächerlicher Mensch, ein gefährlicher. Immer dieser Name jeden Tag jeden Tag jeden Tag. Es scheint unmöglich, das irgendwie unterlaufen zu können.

Nicht nur, weil die Art, wie wir ihn, den amerikanischen Präsidenten, betrachten, auf so vielen Ebenen stattfindet: Konkret. Politisch. Diktatorisch. Gefährlich. Narzisstisch. Peinlich. Überraschend. Surreal.

Vor allem: weil es so viel ist. Wie kann jemand so viel Zeit haben, so viel zu tun? Als würde er über die dreifache Anzahl von Stunden an einem Tag verfügen, um zu verzapfen, was er verzapft, losseiert, palavert, droht, rumgockelt, sich schmieren lässt, aufplustert, sich salben lässt.

Allein die vergangenen Tage. Drei Beispiele. Nicht mal das Verteidigen des Mordes von Minneapolis. Nicht mal der Glaube, Grönland kaufen zu können, indem jeder Bewohner 1 Millionen Euro bekommt. Nicht mal die stolze Ankündigung, mit Steuergeld Ölfirmen nach Venezuela zu locken. Sondern:

»I’m a fan of Denmark too. They’ve been very nice to me. But the fact that they had a boat land there [Greenland] 500  years ago doesn’t mean they own the land.«
Und: Gefragt nach den Grenzen seiner Macht: »My own morality. My own mind. It’s the only thing that can stop me.«
Und: Die Ankündigung, dass die Friedensnobelpreisträgerin von 2025 plant, ihm ihren Preis zu überreichen. 

Wichtiger: Die Proteste im Iran werden zu einer Revolution.

11. Januar | Iran

Kaum Berichte aus dem Iran, aber: ein Aufstand. Wie wenig wir davon wissen.

12. Januar | Daniel Günther

Diskussionen über eine Aussage Daniel Günthers bei Markus Lanz. Will er die Meinungsfreiheit verbieten? Rechtspopulistische Erregungsmaschinen schneiden die Talkshow entsprechend zurecht. Was Resonanz findet – in Politik, Medien und Sozialen Medien – und verbreitet wird. Letztens las ich davon, wie der Trigger »Meinungsfreiheit« zielführend für den Übergang eingesetzt wird. Hier beispielhaft vorgeführt. Vollkommen gleich, was gesagt wird, am Ende bleibt das Narrativ: Der will verbieten. Weil hier 2 Akteure am Werk sind, die sich ergänzen, aufeinander angewiesen sind: Die, die zielorientert sinnentstellend und eskalierend zusammenschneiden. Und die, die das Sinnerstellte glauben wollen. Deshalb begierig eskalieren.

13. Januar | Videos aus Minneapolis

Immer mehr Videos aus Minneapolis, wie vermummte ICE Menschen entführen. Keine Regeln mehr. Belagerungsszenen, im Prinzip: Bürgerkriegsszenen. Terrorszenen. Szene aus einem Land mit diktatorischer Regierung.

14. Januar | inakzeptabel

Grönlandtreffen. Alles weniger als Grönland in den Händen der USA sei inakzeptabel, schreibt Trump. JD Vance gibt ICE das Versprechen, das keine ihrer Handlungen juristische Folgen haben wird. Damit Töten legitimiert, was soll denn da der nächste Schritt sein? Aus dem Iran Berichte von 12000 ermordeten Protestierenden.

15. Januar | 13 Soldaten

Wenn die USA Grönland angreifen, ist es gleich, ob und wie EU reagiert. Es bricht auseinander dann, dann ist etwas beendet. Deutschland schickt 13 Soldaten nach Grönland, andere europäische Länder entsenden ebenfalls Soldaten.

16. Januar | Friedensnobelpreis Kotau

María Corina Machado übergibt ihren 2025 erhaltenen Friedensnobelpreis dem amerikanischen Präsidenten und das ist von allen Kotaus vor Trump der Erbärmlichste.

17. Januar | Grönland-Eskalation

Donald auf Eis

Nächste Grönlandeskalation. Der Präsident kündigt 10% Handelszölle für Europa an, falls Europa Grönland nicht an die USA hergebe. Demonstrationen in den skandinavischen Ländern, mehrere europäische Staatsoberhäupter (nicht der Kanzler) erklären, dass sich Europa nicht erpressen lassen werde etc. Es ist so irre, die Schlagzeilen, Europa vor einem Krieg mit den USA wegen Grönland. Ich merke ein permanentes Zittern. Ist das der Moment, in dem die Weltordnung kollabiert? Oder bin ich wieder ein Opfer der Newsticker, der Posts, der Hysterie, die auf jedes Feuer aufspringen und keinen kühlen Kopf bewahren? Aber: eine solche Strudelbewegung in mir.

18. Januar | Iran

Im Iran: 16000 Tote, Hundertausende Verletzte, so viele, denen ein Auge weggeschossen wurde, so ein Kampf und so wenig Aufmerksamkeit, weil so wenig Bilder, im digitalen Dunkel findet der Widerstand nicht statt.

19. Januar | Grönland-Eskalation II

Der amerikanische Präsident schreibt an den Premierminister Norwegens: »Considering your Country decided not to give me the Nobel Peace Prize for having stopped 8 Wars PLUS, I no longer feel an obligation to think purely of Peace … The World is not secure unless we have Complete and Total Control of Greenland«. Und mir fehlt nicht die Vorstellungskraft, wie in wenigen Wochen amerikanische Soldaten auf dänische Soldaten schießen werden.

20. Januar | Zu viel

Was derzeit nicht in der Öffentlichkeit stattfindet: was in Nordsyrien geschieht. Auch: Das brutale Niederschlagen des Aufstands im Iran. Wie in der Ukraine die Temperaturen deutlich unter 0° fallen, Russland die ukrainische Energieversorgung zerbombt hat und deshalb die Ukrainerinnen bei Minustemperaturen den vierten Kriegswinter überleben müssen. Sudan findet nicht statt.

Weil: Grönland. Anhand von Grönland der Zerfall einer Welt, das bisher deutlichste Signal, das wir in ein Zeitalter von Einflusssphären gewechselt sind und Europa oder auch Demokratie darin keine große Bedeutung zukommen soll. Anhand von Grönland die Szenarien für einen Krieg, der all die gegenwärtigen Kriege unter einem Wort / Ereignis bündeln könnte. Währenddessen auch das Szenario eines Bürgerkriegs in den USA, der in Minneapolis beginnt. In einem Zukunftsroman wäre das viel zu viel, so ist das der 20. Januar 2026. Nichts außer dem Beizuwohnen scheint möglich. Heute erscheint ein Artikel, den ich über einen Kindergärtner in Weimar schreibe. Es geht um Kerzenarbeit, das Beobachten von Fischen, das Kleben von Pflastern, das Sachte, das Helfende, das Stabile im Instabilen, im Kleinen, ganz Kleinen, dort, wo es am wichtigsten ist.

21. Januar | das andere Zu viel

Ist ja im Grunde die Hoffnung: dass aufgrund des Überreizens (heute: die wirre, im Prinzip demente Rede in Davos, die Information, dass unter dem Ballsaal im Weißen Haus ein »geheimer Bunker« gebaut wird, die geposteten KI-Bilder, die Kanada und Grönland mit amerikanischer Flagge zeigen // das KI-Bild, wie Trump die amerikanische Flagge in den eisigen Boden Grönlands rammt) so etwas wie Rückgrat erwächst. Dass die Gefahr es notwendig macht, Aufgeschobenes zu tun. Dass man sich bewusst wird. Eine gemeinsame Stimme findet. Handelt. Dass das Überreizte zeigt, was ist und noch mehr, was sein könnte, eine sich selbst zerstörende Vorhersage, weil: So will ich es doch nicht haben? Oder? ODER?

22. Januar | Beruhigung

Der Gedanke: Dass es möglicherweise nicht mehr so lange dauert, bis viele wie aus einem Alp aufwachen und sich fragen: Wie konnten wir alles Heil von dieser Person abhängig machen? Wie konnten wir jeden Atemzug in einen Newsticker packen, eine Reaktion dazu einfordern und ablassen? Wie konnten wir diesen Mann zum Zentrum der Welt erklären?

Und was dann? Was geschieht mit den Nickern, denen, die sich in die Bresche schlugen, das Wort redeten, absegneten, beteiligten, auch den Spahns? Wird es wirklich ein Aufwachen geben bei denen, die profitierten? Ist das dringende Frage: Wer setzt wie fort? Wie ist die Vorbereitung darauf, wenn anstelle des Surrealen und Sprunghaften das Konsequente treten könnte?

23. Januar | Brandmauer

Linke und Grüne Abgeordnete stimmten im EU-Parlament gemeinsam mit Rechtsextremen. Für eine Überprüfung des Freihandels-Abkommen Europas mit Südamerika. Sehr viele widersprüchliche Ebenen (Brandmauer, rechtliche Grundlagen, USA-Auseinandersetzung, Zeichen setzen, wofür, wogegen, Zusammenarbeit, fehlende Zusammenarbeit). Zu wenig Wissen meinerseits, um zu beurteilen, das Gefühl aber, ein Pflock, welcher zur Unübersichtlichkeit der Zeit geschlagen passt.

24. Januar | Wintersturm

Videos um Videos aus Minneapolis: ICE, die einen Fünfjährigen als Köder nutzen, um dessen Vater aus dem Haus zu locken. ICE, die ein Kind in den Schnee drücken. ICE, die einen alten Mann, der nur eine Decke um sich gelegt hat, bei Minusgraden aus dem Haus deportieren. ICE, die Pfefferspraywolken in Gesichter platzen lasssen. ICE, die Betende deportieren. ICE, die Tränengasbombe in ein Auto mit sechs Kindern wirft. ICE, die den Vater eines hilfebedürftigen Sohnes deportieren, der Sohn stirbt Tage später. ICE, die eine Siebenjährige mit ihren Eltern aus Notaufnahme deportieren. Videos von den »Ghost Cars«, verlassene Autos am Straßenrand, die ICE deportierte aus den Autos heraus. Videos um Videos, die Deportierten Nichtweiße.

Dazu: Der Chef von ICE, der im SS-Mantel posiert. Die Stimmen, die sagen, die Aktionen sollen eine Reaktion provozieren, die der Regierung die Verfügungsgewalt über die Polizei geben würde. Die Informationen, wie viel Kopfgeld ICE für jeden Deportierten bekommt. Welcher Betrag von den Lagerbetreibern für jeden Deportierten im Lager in Rechnung gestellt werden kann. Palantir, das mit KI-Technik für die ICE Informationen zusammenführt und hinführt. Die Summe dieser Elemente, die vielleicht erklären, warum in der Drastik passiert, was passiert.

Aber eben auch – zunehmend mehr – Videos von Protesten, mehr noch: Bilder von Hilfe. Bilder von Gemeinschaft. Wie Bürger ihre Kindergärten und Schulen bewachen. Wie Nachbarn von Fenstern aus den Autoalarm aktivieren, um Nachbarn vor ICE zu warnen. Wie Nachbarn und Zugereiste protestieren. Wie gekocht wird für die, die protestieren. Bilder von Wut. Die Videos von den gestrigen Protesten in Minneapolis. Gegen ICE. Im Eis, minus 20 Grad. Trotzdem dasein. Das Verbinden und Verbünden einer Stadt, von sehr unterschiedlichen Menschen gegen etwas Systematisches.

Gefundene Zitate: »ICE has made the classic Nazi mistake. They’ve invaded a winter people in the winter.«

Und etwas, das ich gern lesen möchte, glauben: »I’ve been here 24 hours, but already with what I’ve seen, well, I genuinely believe we’re going to win. People here are well aware that what happens here impacts the entire country, that it sets the tone for resistance. ICE is angry, ICE is terrified, of how deeply unpopular it is.«

Und, ebenfalls weiterhin: Aus dem Iran, von den Kurdinnen aus Nordsyrien gibt es keine Bilder und Videos. Und wenn sie gibt, gibt es sie nicht in der westlichen Öffentlichkeit.

25. Januar |vor hochgehaltenen, filmenden Handys

Kurz nach dem Schreiben des gestrigen Eintrags die Berichte davon, wie ICE in Minneapolis einen Krankenpfleger erschießen. Im Folgenden die Warnungen in den Streams, die Autoplay-Funktion abzustellen, weil die Videos von der Erschießung (zehn Schüsse auf den am Boden liegenden Mann) drastisch seien, einer Hinrichtung glichen. Nach und nach die Informationen, der Krankenpfleger erschossen dabei, wie er einer Frau vor ICE schützen wollte. Im Folgenden auch (wieder) das zeitgleiche Entfalten einer kontrafaktischen Realität: der Versuch vom amerikanischen MAGA, seinen Akteur:innen und Kanälen, dem, was die Videos zu zeigen, eine andere Wirklichkeit anzudichten.

Der zweite Mord von ICE in Minneapolis in diesem Jahr. Vor hochgehaltenen, filmenden Handys. Nicht trotz, sondern auch wegen des Filmens. Die Gewalt soll eine Information sein. Sie ist DIE Information.

Am heutigen Tag dann verfolgen, wie in deutschen Medien über den Mord informiert wird. Oftmals Passivkonstruktionen (wurde erschossen), oftmals viel Raum für die Darstellung von MAGA (Terrorist, Bedrohung, geplantes Massaker), viel Platz für beide Seiten (Notwehr), eine Umkehr der Schuld (eskalieren die Proteste). Eine Benennung dessen, was geschieht, findet nur vereinzelt statt. Keine klare Einordnung, welche Funktion die Gewalt der ICE (und Border Control, von der, wie sich herausstellt, einer der Schützen stammt) im MAGA-System hat.

Vielleicht sind diese Tage und die Form eines Journalismus, der abwartet auf Abschlussberichte, und im Zweifelsfall den Neutralitätsbegriff vor alles stellt, dem Beide-Seiten heilig ist, nicht kompatibel. Vielleicht fehlen dieser Art der Berichtserstattung die Mittel, um auf diese Verschiebung, auf diese Übernahme zu reagieren.

Ja. Ich möchte sachlich informiert werden. Ich möchte verschiedene Blicke auf Ereignisse benannt wissen. Ich möchte keine Berichterstattung, die dem ersten Anschein folgt. Aber: Über den ersten Anschein sind wir längst hinaus.

Man muss Quellen wie Stephen Miller, Pam Bondi, Donald Trump oder Gregory Bovino doch in einen Kontext stellen. Man muss doch dazu anmerken, verweisen, muss doch aufgrund vorheriger Erfahrungen deren Aussagen zu einem Ereignis mehrfach überprüfen und besonders kritisch betrachten, kann sie doch nicht 1:1 in die Streams geben, zu dem Ereignis stellen, als würden sie diese Ereignisse adäquat beschreiben können.

Ich muss doch benennen, wenn die mit einem gigantischen Budget ausgestattet Geheimpolizei einer diktatorisch agierenden Regierung auf offener Straße Menschen erschießt. Das ist doch die Information.

Ein Mord am 24. Januar im Namen der Regierung. Am 7. & 8. Januar 30000 Morde im Namen der Regierung, im Iran. Wie stelle ich das nebeneinander? Warum das eine so ausführlich? Warum erfahre ich das andere erst zwei Wochen danach? Was ist mit den Zöpfen, die gerade hunderttausendfach geknüpft werden in Solidarität mit den Kurdinnen? Was ist da adäquat? Was ist da die Information, wie erreicht sie mich, wie sollte sie mich erreichen?

26. Januar | Teilzeit-Lifestyle

Der »CDU-Wirtschaftsflügel« fordert unter dem Titel »Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit« Abschaffung von Teilzeitarbeit (bis auf wenige Ausnahmen). Erfreulicherweise robuster Gegenwind.

27. Januar | Celly

Wieder This is America gehört. Die Zeile »This a celly (ha) / That’s a tool (yeah)«. Ohne die Telefone, die zu Dutzenden in die Luft gehalten werden, ohne das Filmen, ohne die Videos, paradoxerweise auch ohne die oftmals reaktionären Plattformen, über die sich diese Videos verbreiten können, würde es in Minneapolis anders aussehen. Heute die Berichte, wie das jüngst verkaufte TikTok diese Minneapolis-Videos sperrt, wie Meta aussiebt. Auch: Kein Celly auf dem Mittelmeer. Kein ICE auf dem Mittelmeer. Sondern die EU, Europa, Hunderte Menschen in den vergangenen Tagen dort ertrunken.

28. Januar | Here in our home they killed and roamed In the winter of ’26

Greg Bovino wird aus Minneapolis abgerufen. Bruce Springsteen veröffentlicht ein Lied, »Streets of Minneapolis«. Berichte darüber, dass ICE bei den Olympischen Winterspielen in Italien eingesetzt werden soll. Sanfte Diskussionsansätze über einen möglichen Fußball-WM-Boykott, Sepp Blatter wäre dafür. Weiterhin die Diskussionen über Teilzeit-Lifestyle. Mehrere Texte, die das Szenario beschreiben: AFD mit absoluter Mehrheit in Sachsen-Anhalt. Und die Frage: Soll Deutschland eine Milliarde Dollar an den amerikanischen Präsidenten zahlen, um dadurch Mitglied im »Friedensrat«, dem »Board of Peace« zu werden, goldener Kranz um einen USA-zentrischen Globus, Trump auf Lebenszeit als Vorsitzender?

30. Januar | Ablenkung Realitäten

Die amerikanische Regierung lässt vier schwarze Journalist:innen verhaften, die über Minneapolis berichteten. Die amerikanische Regierung veröffentlicht über einen Monat verspätet die nächste Staffel Epstein-Files. Unklar, was von was ablenken soll.

31. Januar | Januar

What a year.