Vollkasko Feelings
1. Juni | Metaphernfülle

Erneute Metaphernfülle aus den USA. Das Weiße Haus zu einem Drittel Ruine, davor ein gigantischer Käfig aufgebaut, in dem Gladiatorenkämpfe Ultimate Fighting zur Geburtstagsfeier des Präsidenten ausgetragen werden sollen. Auch: Jede Menge gebuchte, vor langer Zeit erfolgreiche Interpreten wie Milli Vanilli oder C&C Music Factory sagen ihre Auftritte für die 250-Jahres-Feier, der Präsident, dessen entschlossenes Gesicht bald die 250-Dollar-Note zieren soll, schreibt daraufhin: »…so I am thinking about bringing the Number One Attraction anywhere in the World, the man who gets much larger audiences than Elvis in his prime, and he does so without a guitar, DONALD J. TRUMP”
Und: Die amerikanische Regierung schaltet eine Webseite frei, auf der im Stil von Matrix / The X-Files die Jagd auf Aliens erklärt wird, Aliens hier keine Außenirdischen, sondern als Wortspiel für ausländisch / fremd / nicht weiß. Das nächste Beispiel für die aktuelle Faschisierung als Meme, als Popkultur, als Genuss an der Grausamkeit.
2. Juni | Bafögbärvollkasko
Achselzuckend erklärt die Bundesministerin für Forschung die Bafög-Reform für gescheitert und sagt dazu Sätze wie »kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben – viele sammeln dabei sogar wichtige Erfahrungen fürs Leben und den Beruf« und »Es wird kein Vollkaskostudium geben, jeder muss seinen Teil dazu beitragen«. Vollkaskostudium ein Begriff wie Lifestyle-Teilzeit, direkt aus der mitleidslosen Neoliberalismushölle, das permanente christlich-soziale Unterstellen von Faulheit, bewusst so gewählt für den Klassenkampf von oben, wieder ein gegendemokratisches Türenöffnen, wieder eine kalkulierte Absage ans Morgen etc. Jede Menge wütende Gegenreden, ich denke an die eigene Studienzeit, an das, was die Studierenden aus meinen Kursen erzählen, wie Vollkasko eben aussieht bei einer Mietpauschale von 380€, wenn man wie Dorothee Bär kein Stipendium der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung erhält.